Karl „Anti“ Prillinger – Ein Mann, eine Kirche, ein Lebenswerk

Renovierte Kirche ©privat/Karl Prillinger

Ehemals Stalingrad – heute Wolgograd – ist den meisten aus dem 2. Weltkrieg ein trauriger Begriff. Aber für Karl Prillinger und Prillinger Landmaschinen war Russland in den 90er-Jahren eine neue Möglichkeit, ihre Landmaschinen zu verkaufen oder in Lizenz zu vergeben.

Nach Kontakt mit dem russischen Landwirtschaftsministerium kauften „die Russen“ beim ersten Besuch bei Prillinger in Wels sofort vier Muster-Maschinen und zeigten reges Interesse an „mehr“, daher plante der tüchtige Geschäftsmann eine Reise nach Moskau. Erste Kontakte wurden geknüpft.

©privat/Karl Prillinger

Karl „Anti“ Prillinger lernte zu dem Zeitpunkt Franz Grininger aus dem Mühlviertel (heute noch Grininger GmbH, Ofen und Herde) kennen, der Ersatzteile bei ihm erstand. Der wollte auch gebrauchte Maschinen nach Russland verkaufen und so versprach ihm Prillinger, nach seinen Gesprächen in Moskau nach Stalingrad (Wolgograd) weiterzufliegen, um dort Franz Grininger zu treffen.

Wolgograd

Die Stadt zeigte sich schmucklos, im Plattenbau-Stil nicht von ihrer besten Seite. Nach diversen Treffen und Gesprächen wollten sich Grininger und Prillinger die römisch-katholische Kirche ansehen. Die beiden fanden einen sehr einfachen Kirchenraum mit fünf Containern, trafen beim Verlassen dieser „Kirche“ einen Mann, der ihnen die nicht mehr nutzbare Ruine der echten Kirche zeigte. Ein schönes Bauwerk, aber dem Verfall preisgegeben. Es fehlten das Dach, alle Türen, die Fenster… Und so reifte schon beim Verlassen der Ruine der Wunsch, beim Wiederaufbau zu helfen.

Wiederaufbau der Kirche

©privat/Karl Prillinger

Zu Hause angekommen, gründete Prillinger am 6. September 1993 einen Verein und machte sich mit vielen Unterstützern auf die Suche nach Spenden. Ganze 3,8 Millionen Schilling wurden damals alleine in Österreich aufgebracht, insgesamt wurden 11 Millionen Schilling gesammelt. Besonderer Dank Prillingers galt Dipl. Ing. Luft, Karl Blaimschein und Franz Grininger, welche großen Anteil am Erfolg hatten. Und der Wiederaufbau begann!

Das Unglaublichste für „Anti“ war aber die Spende zur Kircheneinrichtung: Der Küchenhersteller Johann Breitschopf aus Dietach/Steyr spendete nicht – wie zuerst gedacht – zwei handgeschnitzte Statuen, sondern die gesamte Inneneinrichtung, also Statuen, Altar, Pulte, Kreuzweg und Sitzbänke. Ein LKW wurde mit der wertvollen Fracht auf die Reise geschickt, mit der Auflage an den Fahrer: jeden Tag melden! Die Grenzen Slowakei und Ukraine waren kein Problem, in Russland war der LKW aber plötzlich „verschollen“. Sechs Tage vor der gemeinsamen Abreise aller zur Einweihung kam der LKW nach einem Deichselbruch des Anhängers doch noch an. Trotz Zollschwierigkeiten – die Sekretärin hatte sich verrechnet und so wurde eine monetäre Buße auferlegt – wurde die Ware vier Tage vor der Eröffnungsfeier angeliefert. Prillinger und viele, viele freiwillige Helfer bauten auf – es passte alles auf den Zentimeter genau!

Innenausstattung, gespendet von Johann Breitschopf ©privat/Karl Prillinger

Einweihung der Kirche

Vielen Personen war es ein Anliegen, an der Einweihung teilzunehmen, der Bischof, viele „Stalingrad-Kämpfer und Ehrengäste, insgesamt reisten 1999 zu diesem großen Tag die 158 Teilnehmer an. Für alle Reiseteilnehmer mussten Aufenthaltsgenehmigungen eingeholt werden, ein eigenes Flugzeug wurde gechartert – die Verantwortung war groß, denn damals dachte keiner an einen Versicherungsschutz, ärztliche Betreuung oder Begleitung der doch schon älteren Teilnehmer.

O-Ton von Karl „Anti“ Prillinger, als er im Jahr 2008 seine Biografie Vom Müllergesellen zum Ersatzteilgroßhändler herausbrachte: „Die Kircheneinweihung ist für mich bis heute ein unvergessliches Erlebnis geblieben. Heute gibt es etwa 2000 Katholiken in der Gegend von Wolgograd.“

©privat/Karl Prillinger

Geschichte der Kirche:

Mit Recht kann man sagen: ein großartiges Lebenswerk des Müllergesellen, Ersatzteilgroßhändlers und Familienmenschen Karl „Anti“ Prillinger.

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